Blätterrascheln zwischen Bahngleisen

So ist das, mit der Aktualität, dieses Mediums. Kaum ist eine Woche vorbei, schon ist es regnerischer November. Die goldenen Sonnentage sind vorbei – so ist dies mehr ein Nachschlag dazu.
Wir waren auf einem gefühlt sommerlichen Sonntagsspaziergang zum ersten Mal hier.

IMG_0266Das Blätterrascheln ließ uns einen sonnigen Herbsttag hören.
Das geschlossene Cafe erinnerte daran, dass der Kalender schon November zeigt.

Seit den frühen 50-er Jahren liegt der Rangierbahnhof Tempelhof still. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich hier ein ruderaler Aufwuchs aus Birken, Robinien und Waldrebe. Diese Vegetation bestimmt die Atmosphäre eines großen Teils des 1,5 km langen, sehr schmalen Natur- und Landschaftsschutzgebietes. An anderen Stellen haben sich auf Gleisschotter blütenreiche Trockenrasen angesiedelt.
Die unterschiedlichen Pflanzengesellschaften geben vielen Arten von Insekten und Vögeln einen Lebensraum. Im Wasserturm, dem Wahrzeichen des Geländes, sollen Turmfalken ihr Nest haben.

IMG_0267Im Dickicht der vielen Wildrosenarten brüten Nachtigall, Schwanzmeise und Zilp-Zalp.

Noch in den 80ern war das Gelände ein schwarzes Loch in der Stadtlandschaft und nur verwegene Zaunkletterer kannten das Gelände. Es war eine engagierte Bürgerinitiative, die das entstandene Biotop davor bewahrte, abgeräumt zu werden und wieder einem Güterbahnhof Platz zu machen. Als Naturpark öffneten sich dann zur EXPO 2000 die Pforten des bewachsenen Stücks Eisenbahngeschichte.

Die Grün Berlin GmbH, deren Mitarbeiter sogar an diesem Sonntag nach dem Rechten sehen und die Tickets kontrollieren, betreibt seit dem das Gelände, das inzwischen zur Spielstätte der Shakespeare Company geworden ist und mit dem riesigen Lokschuppen einen extravaganten Kulturort bietet.

Neben den naturnahen Flächen, die sich zwischen der ältesten Drehscheibe Deutschlands (wie die Website der BI zu berichten weiß), Weichen und der alten Dampf-Lok entwickelt haben, gibt es einen geheimen Garten. Abgeschlossen, artifiziell und steinern wirkt er, belebt von Stahlskulpturen.

Während auf der anderen Seite der S-Bahn-Gleise der Hans-Baluschek-Park zu Aktivitäten auf den Wiesen und Spielflächen einlädt, ist der Naturpark ein ruhiger, eher kontemplativer Ort. Am Schönsten ist es hier wohl an einem nebligen Dienstag Vormittag. Empfohlen werden Besuche zur Wildrosenblüte und im Juli wenn die Trockenrasenblüten und die Nachtkerzen sich entfalten.

 

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Zu erreichen ist der Natur-Park mit der S-Bahnlinie 2 oder 25
bis zum S-Bahnhof Priesterweg.
Hier halten auch die Busse 170, M76 und X76.
Öffnungsszeiten: 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit



Written by Steffi Niemzok