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… Gehütet von einer Hexe, dem obersten Erzengel geweiht

Im Oktober ist es eigentlich zu spät um Herbstzeitlosen oder Herbstkrokusse in die Gartenerde zu bringen. Ideal dafür ist der August. Aber wer denkt beim Ausschütteln der Badetücher oder in lauen Biergartennächten an Blätterfall und die erste Rauhreifwiese? 
Seit drei Jahren plane ich diese völlig aus der Mode gekommenen Späten bei mir anzusiedeln. Leider denke ich immer erst an die Zwiebelei, wenn in den Supermärkten die Aufsteller mit Tulpen und Narzissen erscheinen.

Also wieder verpasst. In diesem Jahr machte ich mich trotzdem auf die Suche. Verschiedene Online-Versender oder auch der legendäre Zwiebelspezialist „Albrecht Hoch“ sind um diese Zeit schon völlig ausverkauft. Andere Händler haben keine Herbstzeitlosen mehr im Sortiment, wie ich bei meiner Forschung erfuhr. (Ha’m wa nich mehr. Jeh’n jarnich. Sind allet Ladenhüter jewesen)

Fündig wurde ich dann bei der „Königlichen Gartenakademie“ und beim „Holländer“.
Da ich zunehmend seltener im Garten bin, habe ich mich entschlossen die Herbstzeit-Schönen im Zimmer blühen zu lassen und erst nach der Blüte in den Garten zu pflanzen.
Dies ist möglich, weil die überwinternde Zwiebel erst im Frühjahr Blätter treibt und damit über die Photosynthese notwendige Stärken speichert. Im Sommer welkt das Laub und hinterläßt eine blühwillige Zwiebel, die dafür nicht mal Erde benötigt.
Der ungewöhnliche Lebensrhythmus der Herbstzeit-losen ist eine Besonderheit, ein anderer ihr hoher Giftgehalt.

In der Natur auf Wiesen wachsend, gibt es viele Vergiftungsgeschichten von Weidetieren oder Menschen.
Letztere verwechselten die Blätter im Frühjahr mit denen des Bärlauchs.
Im alten Griechenland soll die Zwiebel im Garten der Medea von Kolchis, einer Priesterin von Artemis – Urbild der Hexe, gewachsen sein. Ihr botanischer Name Colchicum zeugt von dieser Geschichte.
Die Germanen weihten sie ihren Göttern Jupiter und Donar.

Noch heute wird die Pflanze dem Erzengel Michael zur Seite gestellt und im Michaelbrauchtum am 29.09. verehrt.
Sie gilt als Schutzpflanze gegen praktisch jeden Schaden, der über den Winter eintreten kann. …
Vielleicht lohnt es sich für die kommenden Monate, ein paar Blätter außerhalb der Reichweite von Kinderhänden aufzubewahren.

 

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Written by Steffi Niemzok