Hopen Im Garten

… lass nicht zu lang warten

Wenn sich der Sommer neigt, zeigen sich an vielen Stellen der Stadt, an Zäunen oder alten Gebüschen die duftenden gelbgrünen Zapfen des Hopfens. Diese weiblichen Fruchtstände werden aus Schuppenblättern gebildet, deren Innenseiten sichtbare Drüsen mit dem bitter schmeckenden Harz und ätherischen Ölen enthalten.

Der männliche Hopfen, die Pflanze ist zweihäusig, männliche und weibliche Blüten sitzen auf unterschiedlichen Pflanzen, trägt dagegen ganz unscheinbare Blüten, bei deren Zartheit man die Wuchskraft der Pflanze nicht ahnt.

Ich weiß wovon ich spreche. An meinem Gartenzaun wächst vom Nachbarn eines dieser Exemplare, das mich alle paar Wochen herausfordert. Der Zaun ist komplett zugewachsen und die suchenden Ranken hangeln zu Clematis und Rosen. Hier ist es endgültig Zeit zu handeln. Ebendiese Hopfenpflanzen haben vor unserer Zeit hier eine alte, 5m hohe Birne so umschlungen, dass sie abstarb. Den Stumpf mit einem stolzen Durchmesser von 50 cm haben wir noch bei uns stehen.

Wahrscheinlich könnte man dem Hopfen beim Wachsen zusehen. Unter besten Bedingungen schieben sich seine Triebe bis zu 30 cm am Tag vor. In einer Vegetationsperiode wächst er bis zu 7m in die Höhe, wobei er sich mit Hilfe feiner Kletterhaare selbst an den glatten Oberflächen von Drähten festhalten kann. Dabei klettert er in Uhrzeigersinn. Er ist rechtsdrehend und stellt damit eine Besonderheit unter den Kletterpflanzen dar. Die meisten von ihnen klettern links herum.
Im Winter erfriert dieser Sproß und stirbt ab, ist aber so fest und verholzt, dass er den nachwachsenden Sprossen eine wunderbare Kletterhilfe bietet. Die frühere Verwendung in der Seilerei ist hier nachzuvollziehen.
Aus einer Hopfenpflanze können bis zu 100 Sprossen jedes Frühjahr treiben.
Diese Triebe -Fechser genannt- standen vor Zeiten in der sogenannten „Arme-Leute-Küche“ auf dem Speisezettel und sind heute, als Hopfenspargel in der Spitzenküche beliebt und teuer. Für meinen Geschmack ist der Vergleich zwischen beiden wie der zwischen Spargel und Schwarzwurzel. Ich schmecke keinen Zusammenhang. Außerdem sollen die rohen Triebe durstlöschend sein. Nun gut, mit ein bisschen Mühe, würde ich dies bestätigen.

Die beruhigende, schlaffördernde Wirkung des Hopfens –humulus lupulus – war schon im frühen Mittelalter bekannt. Noch heute werden die getrockneten Zapfen bei Anspannung, Angst, Verkrampfungen und Muskelverspannungen angewendet. Es sind die ätherischen Öle, die Leichtigkeit und Fröhlichkeit verbreiten.
Dagegen unterstützen die Bitterstoffe des Harzes die Verdauung. Deren Einsatz beim Bierbrauen zur Haltbarmachung, geben dem Pils seinen charakteristisch bitteren Geschmack.

Alle diese möglichen Vorzüge der Hopfenzapfen kann ich nicht nutzen, da ich mich leider mit einem männlichen Exemplar anlege, was vor Vitalität nur so strotzt. An Sisyphos denke ich, solange ich den Wurzeln nicht beikommen kann. Mein Los scheint es zu schneiden und zu graben. Aber irgendwie hat das ja auch mit Gärtnern zu tun. … halt wiederkehrende Tätigkeiten.

Nachtrag:

Hopfen enthält pflanzliche Varianten von Östrogenen und wird als Frauenheilmittel bei Beschwerden in den Wechseljahren empfohlen. Bei Roger Kalbermatten „Wesen und Signatur der Heilpflanzen“ lese ich, dass Hopfen zur Dämpfung eines übersteigerten männlichen Geschlechtstriebes verwendet wurde, während es bei Frauen die Libido erhöht.

Written by Steffi Niemzok