… mit Pflanzen aus Kräutergärten und von Stadtbrachen

Ob Advents- oder Türkranz – die Zahl der Anleitungen zum Nachbau im Internet spiegelt die große Nachfrage wieder. Das Binden von Kränzen ist in Mode gekommen.
Ganz besonders schöne und interessante Kränze aus getrockneten Pflanzen hat Katharina Klimsa gefertigt. Sie passen ganz wunderbar in die Winterzeit, wo das Auge sich an jeder Farbnuance freut. Die Künstlerin und Gärtnerin nutzt für Ihre Arbeiten selten klassische Trockenblumen. Sie findet Ihr Material eher auf Kräuterbeeten, Hinterhöfen, am Straßenrand oder in vergessene Blumenbuketts. Das in Szene gesetzte Vergessene und Nichtbeachtete, die Ästhetik des Vergänglichen sind das Thema dieser Arbeiten.

Silberkranz_ganz

 

Bei dem „Silber-Kranz“ wurde  das graue Steineichenlaub, von dem Hellgrün der Hortensie in farblichen Kontrast gesetzt und betont. Dazu finden sich Karden, die Fruchtstände von Efeu und Eukalyptus, Moos und Statice wieder.

Winterkranz_07

Bei dem bunten und überbordenden „Winter-Kranz“  fanden all diejenigen Verwendung, die oft unscheinbar im Garten und auf Brachen verblühen, unbeachtet oder auf dem Komposthaufen landend. In diesem Kranz verarbeitet, bemerkt man deren Filigranität und Einzigartigkeit. Verarbeitet wurden unter anderem die Fruchtstände  des Johanniskrauts, von Akelei und Jungfer im Grünen, von Knöterich, Oreganum, Wolldistel und Silberblatt.

SteineicheRosenkranz

Auch die eher schlichten Kränze verblüffen durch den Umgang mit Kontrast, Textur und Material. Der streng, fast antik wirkende „Steineichen-Kranz“ wurde durch die dunklen Moosrosen sozusagen erhellt.

 

 

Die Schwärze des „Trauerkranzes“ aus dunklen Farnwurzeln wird von den getrockneten Ranunkeln, Mohnkapseln und Limonium betont.

Diese unkonventionellen Kränze regen in jedem Fall an, verblühende Blumen in der Vase, Frucht- oder Samenstände auf den Spaziergängen durch Stadt oder Flur genauer zu betrachten.

 

Noch gern ein paar Worte zur Tradition des Kranzbindens.
Die Geschichte des Kranzes reicht laut Wikipedia bis in das 5.Jahrhundert vor Christus.
In der griechischen Antike wurden den Siegern sportlicher oder musischer Wettbewerbe Laubkränze aufs Haupt gesetzt. Bei den pythischen Spielen in Delphi waren das Lorbeerkränze, während die Sieger der Spiele in Olympia Eichenlaubzweige trugen.

In der Tradition der Siegerkränze standen auch die im römischen Reich verliehenen Auszeichnungen. Die „corona civica“ aus Eichenlaub wurde für besondere Taten, beispielsweise für die Rettung eines römischen Bürgers aus Lebensgefahr, verliehen.
Die „corona triumphalis“, der Kranz aus den Zweigen des Lorbeers, gebührte den siegreichen Rückkehrern bedeutsamer Feldzüge nach Rom. Weniger bedeutsame Siege wurden durch einen Kranz aus Myrte honoriert.
Etwas später wurde der Lorbeerkranz, als Zeichen des Ruhmes und der Macht, nur noch von den römischen Kaisern getragen.
Alle Kränze wurden aus immergrünen Zweigen von Pflanzen geflochten, die für mythologische Themen oder Bilder standen, die den Menschen gegenwärtig waren. So stand der Lorbeer in der griechischen Antike für gesundheitliche und moralische Reinigung, für Erfolg, Leistung, Ruhm und Weihe. Der immergrüne Strauch war Symbol der Beständigkeit, die runde Form des gebundenen Kranzes Ausdruck von Vollkommenheit.

Bei den Germanen wurden erstmalig Blumen als dekoratives Element in die Kränze geflochten. Bei Hochzeiten oder Fruchtbarkeitsfesten wie Ostara – dem Fest zu Ehren der germanischen Frühlingsgöttin -, den Hohen Maien oder auch der Sommersonnenwende wurden diese als Schmuck von Frauen und Mädchen getragen.
Mit der Ausbreitung des Christentums und der Umdeutung der heidnischen Feiertage ging die Bedeutung des Blumenkranzes im jahreszeitlichen Festkreis wieder verloren.

In der christlichen Ikonographie wird der Kreis als Zeichen der Unendlichkeit und der Idee der Auferstehung Jesus zum Ausdruck des ewigen Lebens. Dieses Symbol verkörpern noch heute der Trauerkranz als Bestandteil einer christlichen Trauerkultur und der Adventskranz als Sinnbild für Hoffnung und Ewigkeit.

 

Die verwendeten Bilder stammen alle von Katharina Klimsa.

 

 

Written by Steffi Niemzok