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Von Mai bis September blühen sie – wenig beachtet – zu unseren Füßen.
Mir fielen sie das erste Mal durch den starken Geruch auf, als ich an einer Ampel bremsend vom Fahrradweg abkam und sie streifte. Er war mir vertraut, der kräftige Rucola-Geruch und auch die Blätter ähnelten den Pflanzen, die ich im Garten hege.

Der volkstümliche Name Stink-Rauke stammt wohl aus einer Zeit, als das Kraut noch nicht auf jeder Restaurantspeisekarte gelistet war und sein Geruch für aufdringlich und unangenehm gehalten wurde.
Aus dem Mittelmeerraum schon ab dem 18 Jhd. eingewandert, fühlt sich die wärme- und lichtliebende Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia ) ganz offensichtlich wohl in der Stadt. Man findet sie an Wegrändern, auf Brachflächen und Dämmen. Oft in Gesellschaft von Beifuß oder Melde lässt sie sich auf eher kalkhaltigen, stickstoffreichen Sandböden nieder.

In meinem Garten wächst dagegen die einjährige Salat- oder Ölrauke (Eruca sativa), die vor drei Jahren Teil einer Schnitt- Salat-Mischung war. Jedes Jahr im Sommer schaffen es meine Salate zu blühen, allein die Rauke nimmt sich die Freiheit wieder auszusagen. Und an Stellen, die ihr belieben. Das ist mir ganz recht so. Ich kümmere mich um die weitere Pflege, die nur aus seltenem Gießen und dem Lockern des Bodens besteht. Beides soll der Blattfleckenkrankheit vorbeugen, ein Pilz, der sich durch bräunliche Punkte auf den Blättern zeigt.

Ab März/April kann Rucola bei leicht erwärmten, lockeren Boden gesät werden. Je nach Boden- und Lufttemperatur zeigen sich die ersten Keimblätter schon nach 7-12 Tagen.
Da die Rauke zu den Kreuzblütengewächsen zählt, soll sie nicht an Orten kultiviert werden, an denen andere Kreuzblüter zum Beispiel Kohl oder Kohlrabi standen. Einen zeitlichen Abstand von mindestens vier Jahren empfiehlt die Fachliteratur. Dies verhindert die Übertragung von typischen Krankheiten dieser Gruppe wie die Kohlhernie. Rucola neigt dazu, übermäßig Nitrat einzulagern, weswegen ich bei unserem stickstoffreichen humosigen Gartenboden nicht zusätzlich dünge. Wie seine wilde Verwandte hat auch die Salatrauke Sonne und lockeren, sandigen Boden sehr gern.

Aber selbst auf meinem Nordbalkon habe ich in diesem Jahr Rucola geerntet. Ausgesät Anfang Mai, habe ich das erste Mal Mitte Juni eigenen Balkon-Rucola im Salat gehabt. 3-4 Mal konnte ich die Blätter schneiden, dann gingen die Pflanzen zum Blühen über.

Möglicherweise wird sie sich in der Baumscheibe aussamen, sodass in naher Zukunft eine Familienzusammenführung ansteht.

Written by Steffi Niemzok