… Viel zu selten werden sie gepflanzt in der Stadt.
In den Städten blüht im Januar allein der Winterblues.

Unterhalb der „Böse Brücke“, am S-Bahnhof „Bornholmer Straße“ gibt es eine Reihe alter Bäume der Winterkirsche (Prunus subhirtella „Autumnalis“), die immer wieder bei Spaziergängern Fragen aufwerfen. Ist das jetzt der Klimawandel? Nein, das ist er nicht. Dieser Baum mag es im November und Dezember zu blühen und zwar solange, bis ein starker Frost seine Blüten erfrieren läßt. Der letzte Schneefall hat Ihnen inzwischen sichtbar zugesetzt.

Auf meiner Suche in den Parks und Freiflächen fehlten Winterblüher vollständig. Fündig wurde ich fast nur in privaten Gärten und natürlich im Botanischen Großen. Haselnuss oder Birke blühen auch um diese Zeit. Aber für die einen sind sie zu unscheinbar, für die anderen belästigend. Beachtet werden sollen hier nur die wirklichen Knaller der Frühen.

 

Hamamelis mollis

Hamamelis mollis „Feuerzauber“

Zum einen wäre da die Zauber-nuss (Hamamelis). Für viele Menschen ist sie als Heilpflanze und Bestandteil von Hautsalben bekannt. Ihre zauberhafte Blüte ist dies möglicherweise weniger. Jeweils vier gelbe, orange bis rote zarte Fäden, die leicht zerknittert wirken, stehen in Büscheln an den blattlosen Zweigen. In Ihrer Heimat, in Nord-Amerika (Hamamelis virginiana) oder Asien (H. mollis und H. japonica) wachsen sie zu Bäumen heran. Bei uns erreichen sie in normalem, nicht zu trockenem Gartenböden Höhen bis zu 4 Metern. Die sehr langsam wachsenden Gehölze erinnern von ihrem Wuchs an die heimische Haselnuss. Die amerikanische Zaubernuß (H. virginiana) blüht ab November während das Laub häufig noch an den Gehölzen sitzt. Die beiden anderen legen im Januar an völlig kahlen Zweigen los.

Viburnum fragrans

Viburnum fragrans

Der Winterschneeball (Viburnum fragrans) beginnt im November seine rosa in Dolden stehenden Knospen zu öffnen und hört erst im April damit auf. Bei sehr starken Frösten erfrieren die schon offenen Blütenkelche, aber da immer noch Knospen vorhanden sind, geht es weiter, sobald die Temperaturen es erlauben. Der Duft ist schwer blumig und füllt ein Zimmer, wenn ein Zweig hier verströmen darf. Je geschützter und sonniger dieser bis zu 3m hoher Strauch stehen kann, umso anhaltender erfreut er in dieser blütenarmen Zeit.
Die Weiße Forsythie (Abeliophyllum distichum) ein bedauernswerter Weise sehr seltener bis zu 1,5 m hoher, ziemlich sparrig wachsender Strauch, Was er an grazilem Wuchs nicht mitbringt, macht er durch seine Anspruchslosigkeit wieder wett. Er gedeiht noch auf sandigen, wenig nahrhaften Böden. Ein geschützter Platz verlängert auch hier den Genuß an dieser Pflanzen-Rarität.

Jasminum nudiflorum

Jasminum nudiflorum

Recht häufig findet man den ab November gelb blühenden Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Als Spreizklimmer ist er mit seinen 3m langen weichen Trieben recht anlehnungsbedürftig. Häufig findet er Stütze und Halt an Mauern und Zäunen. Auch als Bodendecker oder hängend macht er eine passable Figur und blüht und duftet bis der erste Nachtfrost der Pracht ein Ende bereitet.

Eine Neuentdeckung für mich war die Winterblühende Heckenkirsche (Lonicera purpusii). Der 2m hohe Strauch trägt offensichtlich fast wintergrüne Blätter, wenn die weißen, gebüschelten, stark duftende Blüten treiben. Von Dezember bis März kann die robuste und schattenverträgliche Heckenkirsche blühen. In Riechweite zu Wegen gepflanzt hat er durchaus das Potential zum „Hingucker.“

 

Written by Steffi Niemzok